Warum sind die Getränke so unterschiedlich, wenn beide nur Espresso und Milch enthalten? Der Unterschied liegt in den Verhältnissen: Espresso-Menge, Milch-Menge, Schaum-Textur. Hier die korrekten Rezepte nach internationalen Specialty-Coffee-Standards.

Caffè Latte – Das Einstiegsgetränk

Italienisch: “Milchkaffee”. Das mildeste und cremigste der drei Getränke.

  • Espresso: 1 Single Shot (ca. 25–30 ml)
  • Milch: 250–300 ml, davon viel Schaum
  • Verhältnis: etwa 1:8 bis 1:12
  • Schaum: Dünn, fast flach (ca. 0,5 cm)
  • Geschmack: Mild, cremig, Kaffee im Hintergrund

Cappuccino – Die Haube

Der klassische italienische Standard. Der Name bedeutet “Kapuze” (wie die Mönchskutten).

  • Espresso: 1 Single Shot (ca. 25–30 ml)
  • Milch: Ca. 120 ml
  • Volumen insgesamt: Ca. 150–180 ml
  • Verhältnis: Etwa 1:4 bis 1:5
  • Schaum: Dick und fest (ca. 1,5 cm), nimmt den halben Becher ein
  • Geschmack: Ausgewogener Mix aus Kaffee und Milch

Flat White – Australisch, Espresso-fokussiert

Dies ist die Erfindung Australiens und Neuseelands. Viele denken: “Das ist ein Cappuccino mit flacherem Schaum.” Falsch. Der Unterschied ist der Espresso-Fundament, nicht die Milch.

Das Fundament Double-Ristretto – Konzentriert & Intensiv
Ein Flat White beginnt mit einem [Double-Ristretto](/zubereitung/espresso/doppelter-vs-einfacher-espresso/) (ca. 20–30 ml, sehr konzentriert extrahiert) – nicht mit einem Single Shot wie beim Cappuccino. Dieser intensive, dunkle Espresso ist das Herzstück. Er dominiert geschmacklich, anders als beim Latte oder Cappuccino.
Die Milch Feiner Mikroschaum – Wet Paint
Auf den Double-Ristretto kommt eine kleine Menge feinen Mikroschaums (ca. 0,3 cm) – kaum sichtbar, wie Wet Paint. Die Gesamtmenge bleibt klein (~150 ml), damit der intensive Espresso deutlich herausschmeckt und nicht von Milch überlagert wird.
Kakaopulver auf dem Cappuccino?
Traditionell wird Kakao auf den Cappuccino gestreut – ursprünglich, um minderwertige, verbrannte Robusta-Espressos zu überlagern. In modernen Cafés, die gute Specialty-Bohnen verwenden, ist das überflüssig. Das Kakaopulver verdeckt nur die feinen Aromen. Im Specialty-Café sollte ein guter Cappuccino ohne Topping serviert werden.