Im Sommer taucht ein Getränk besonders häufig auf: Cold Brew – über Nacht kalt gezogener Kaffee, serviert auf Eis. Er wirkt süß und samtig, hat wenig wahrnehmbare Säure und kann mehr Koffein enthalten als ein heißer Filterkaffee.
Die Kehrseite: Cold Brew nivelliert Geschmacksprofile stark. Selbst mit einem hochwertigen Single Origin schmeckt das Ergebnis oft flach und nussig-eindimensional statt nach den charakteristischen Noten der Bohne.
Warum kalt Ziehenlassen Aromen verliert
Wenn Kaffee (ähnlich wie Obst) längere Zeit Sauerstoff ausgesetzt ist, oxidiert er und verliert flüchtige Aromen. Lässt du grob gemahlenen Kaffee 18 Stunden bei 5 °C im Kühlschrank ziehen, extrahierst du ohne Hitze kaum fruchtige Säuren – dafür läuft die Oxidation lange. Das Ergebnis ist magenfreundlich, schmeckt aber oft dumpf und holzig. Für hochwertige Bohnen ist das Verfahren wenig geeignet.
Flash Brew als Alternative
Lance Hedrick und James Hoffmann empfehlen für Specialty-Kaffees eine andere Variante. Du brühst wie einen starken, heißen V60-Filter – kühlst ihn aber innerhalb weniger Sekunden von 96 °C auf rund 10 °C ab, indem er direkt auf Eis läuft.
Die schnelle Abkühlung „konserviert" die Aromen der Heißextraktion, bevor sie durch Luftsauerstoff verfliegen.
Wenn der letzte Tropfen durch ist, die Kanne kurz schwenken. Die halbgeschmolzenen Eiswürfel verdünnen das Getränk auf die ursprüngliche 500-g-Menge. Die Tasse bleibt klar im Profil, ohne die typische „kühlschrankartige" Note eines klassischen Cold Brew.
