Die Chemex – eine Glaskaraffe mit Holzmanschette und Lederband, entworfen in den 1940er-Jahren vom deutsch-amerikanischen Chemiker Peter Schlumbohm – gehört zu den wenigen Kaffeegeräten, die dauerhaft in der Sammlung des Museum of Modern Art in New York zu sehen sind.
Das eigentliche Merkmal der Chemex ist aber nicht die Glasform, sondern das besondere, ungewöhnlich dicke Filterpapier.
Das Chemex-Papier
Beim Auffalten eines quadratischen Chemex-Filters fällt sofort die Dichte auf (Hinweis: Die drei-lagige Seite zeigt immer in Richtung des Ausgusses). Das Papier ist rund 20 bis 30 % dicker gewebt als übliche Filterpapiere aus dem Supermarkt oder etwa beim Hario V60.
Die Konsequenzen für die Tasse:
- Das Papier hält nahezu alle Kaffeeöle (Lipide) zurück, die sonst für schweres Mundgefühl sorgen (und in größerer Menge Studien zufolge den Cholesterinspiegel leicht anheben können).
- Das Ergebnis ist ein klarer, hell-bernsteinfarbener, teeähnlicher Aufguss – leicht im Mundgefühl, sauber im Profil. Besonders feine Blüten- und Fruchtaromen heller Röstungen kommen so präzise zur Geltung.
- Sensorisch ist die Chemex damit das Gegenstück zur öligen, körperreichen Tasse aus der French Press.
Einfache Abhilfe: Ein hölzernes Essstäbchen seitlich im Bereich des Ausgusses zwischen Glas und Papier stecken. Das hält den Luftkanal offen und der Kaffee läuft gleichmäßig durch.
Mahlgrad
Da das Papier deutlich dichter ist als andere Filter, wirkt es als starker Widerstand für das Wasser. Mit einem Mahlgrad wie beim V60 würde der Durchlauf sehr lange dauern und die Extraktion bitter werden.
Für die klassische 6-Cup-Chemex mahlt man deshalb deutlich grober – die Partikel sollten in etwa die Größe von grobem Meersalz haben. So wird der zusätzliche Papierwiderstand durch den gröberen Mahlgrad ausgeglichen.
