Im Specialty-Coffee-Umfeld hat sich eine eigene Fachsprache entwickelt – ein Mix aus englischem Barista-Jargon und technischen Begriffen der Extraktionslehre. Dieser Artikel übersetzt die häufigsten Begriffe knapp und klar.

A – D

  • Acidity (Säure): In der Third Wave kein Qualitätsmangel, sondern ein erwünschtes Merkmal. Gemeint ist die natürliche Fruchtsäure heller Röstungen – vergleichbar mit der Spritzigkeit in einem guten Weißwein. Mehr dazu im Artikel zu Röstgraden.
  • Brew Ratio (Brühverhältnis): Das Verhältnis von gemahlenem Kaffeepulver (Dose) zur extrahierten Flüssigkeit (Yield), gemessen in Gramm. Klassischer Espresso: 1:2 (18g Pulver → 36g Flüssigkeit). Mehr dazu im Artikel zur Brew Ratio und zum Wiegen.
  • Blooming: Die Phase der Pre-Infusion, bei der der Kaffeepuck über längere Zeit mit niedrigem Druck durchfeuchtet wird, bevor der Hochdruck angewendet wird. Der Kaffee “quillt auf” und CO₂ entweicht. Mehr im Pre-Infusion Artikel.
  • Bottomless Portafilter (Bodenloser Siebträger): Ein Siebträger ohne Auslaufnasen unten. Der Espressostrahl ist direkt sichtbar und gibt Aufschluss über die Gleichmäßigkeit der Extraktion. Mehr im Artikel zu Spritzern und Channeling.
  • Channeling (Kanalbildung): Entsteht, wenn das unter Druck stehende Wasser sich durch einen Dichteunterschied im Kaffeepuck einen Weg des geringsten Widerstands bahnt. Das Ergebnis ist eine ungleichmäßige Extraktion mit gleichzeitig sauren und bitteren Anteilen. Mehr im Channeling-Artikel.
  • Crema: Die haselnussbraune Schaumkrone auf dem Espresso, entstanden durch Emulsifizierung von Kaffeeölen und gelösten Gasen. Sie ist ein visuelles Zeichen für eine erfolgreiche Extraktion, ist aber kein Garant für Qualität – auch Über-Extraktion kann Crema erzeugen.

E – K

  • Dose (Dosis): Die Grammzahl des gemahlenen Kaffeepulvers im Siebkorb – z.B. 18,0g. Diese Zahl richtet sich nach der Größe des Siebkorbs und bleibt während des Dialing-In unverändert. Siehe auch Updosing und Downdosing.
  • Downdosing: Die Reduktion der Kaffeemenge unter die reguläre Dosis (z.B. von 18g auf 15g) – kombiniert mit grober Mahlung für schnelle Extraktionen bei hochdichten Röstungen. Mehr im Updosing & Downdosing Artikel.
  • Extraction (Extraktion): Der chemische Prozess, bei dem heißes Wasser Aromen, Öle und Koffein aus dem Kaffeepulver löst und in die Flüssigkeit überführt.
  • Extraction Yield (EY): Der Prozentsatz der gelösten Kaffeemasse relativ zur Ausgangs-Kaffeemasse. Klassisch liegt das Ziel zwischen 18–22 %. Wird mit einem Refraktometer gemessen. Mehr im TDS & Refraktometer Artikel.
  • Flash-Boiling: Ein Phänomen bei Temperatursprüngen in der Espressomaschine, bei dem plötzlich siedendes Wasser die Extraktion startet. Entsteht typischerweise bei Temperature Surfing oder fehlender Temperaturregelung.
  • Gushing: Der Espresso rauscht in unter 15 Sekunden durch den Puck – Zeichen für zu wenig Widerstand (zu grober Mahlgrad, zu wenig Pulver). Mehr im Gushing-Artikel.
  • Lungo: Ein Espresso mit erhöhtem Yield-Verhältnis (z.B. 1:3 statt 1:2), der länger extrahiert wird. Erreicht eine höhere Gesamtmenge bei potenziell höherer Extraktion.

L – R

  • Mahlgrad: Die Feinheit oder Grobheit des gemahlenen Kaffees. Der Mahlgrad ist die primäre Stellschraube beim Dialing In: Feinerer Mahlgrad = längere Durchlaufzeit, grober Mahlgrad = kürzere Durchlaufzeit.
  • PID Controller: Ein Mikrochip, der die Brühwasser-Temperatur elektronisch reguliert statt sie wie eine mechanische Heizung einfach ein- und auszuschalten. Hält die Temperatur präzise konstant (auf etwa 0,1°C genau). Details im Temperatur-Artikel.
  • Pre-Infusion: Eine Brühphase mit reduziertem Druck vor dem Hochdruck-Espresso, bei der das Kaffeemehl durchfeuchtet wird. Reduziert Channeling und verbessert die Extraktionskonsistenz. Siehe auch Blooming. Mehr im Pre-Infusion Artikel.
  • Puck: Das komprimierte, nasse Kaffeekissen, das nach der Extraktion im Siebkorb verbleibt. Ein gut extrahierter Puck ist fest, trocken und glatt. Ein Puck, der zerfällt oder eine rissige Oberfläche zeigt, weist auf Extraktionsprobleme hin.
  • Puck Preparation: Der gesamte Prozess der Kaffeevorbereitung vor der Extraktion, einschließlich Verteilung des Mehls, WDT und Tampen. Eine gute Puck Preparation ist entscheidend für gleichmäßige Extraktion. Mehr im Puck Preparation Artikel.
  • Refraktometer: Ein Laborgerät, das die Lichtbrechung einer Espresso-Probe misst, um den TDS-Wert (gelöste Feststoffe) zu bestimmen. Wird primär als Qualitätskontroll-Werkzeug in Röstereien verwendet. Mehr im TDS & Refraktometer Artikel.
  • Ross Droplet Technique (RDT): Das Auftragen von wenigen Wassertropfen (0,1–0,2g) auf die Kaffeebohnen vor dem Mahlen. Reduziert statische Aufladung und führt zu gleichmäßigerem Mahlgut. Details im RDT-Artikel (wenn verfügbar).

S – Z

  • Single Dosing (Zero Retention): Das Abwiegen genau der benötigten Kaffeemenge für jeden einzelnen Bezug, statt Bohnen im Hopper vorzuhalten. Verhindert Oxidation und gibt volle Kontrolle über die Dosis. Mehr zum Thema bei der Mühlenauswahl.
  • Single Origin: Kaffee aus einer einzelnen geografischen Herkunftsregion oder Farm, im Gegensatz zu Blends. Single Origins sind in der Third Wave Specialty-Szene beliebt, da sie die Eigenheiten eines spezifischen Anbaugebietes abbilden.
  • Tamper / Tampen: Das Verdichten des gemahlenen Kaffees mit einem flachen Werkzeug (dem Tamper) nach der WDT und Verteilung. Ziel ist es, den Puck auf optimale Dichte zu komprimieren. Ein Self-Leveling Tamper sorgt für perfekt horizontales Verdichten.
  • Turbo Shot: Ein sehr schneller Espresso mit kurzer Extraktionszeit (oft unter 20 Sekunden), erzielt durch Downdosing kombiniert mit grober Mahlung und Pre-Infusion. Wird oft bei hellen Röstungen verwendet.
  • Updosing: Die Erhöhung der Kaffeemenge über die reguläre Dosis hinaus (z.B. von 18g auf 19,5g) im selben Siebkorb. Wird verwendet, wenn der Mahlgrad nicht feiner gemacht werden kann. Mehr im Updosing & Downdosing Artikel.
  • WDT (Weiss Distribution Technique): Eine Methode zur gleichmäßigen Verteilung des Kaffeemehls im Siebkorb. Mit feinen Nadeln (0,3–0,4 mm) wird das Pulver bis auf den Siebkorbboden gerührt, um Klumpen aufzulösen und eine gleichmäßige Dichte herzustellen. Details im Equipment-Artikel zu WDT.
  • Yield (Ertrag/Output): Das Gewicht der extrahierten Espressomenge in der Tasse in Gramm. Zusammen mit der Dose ergibt es die Brew Ratio.