Ein verbreiteter Irrtum: Zitronensäure oder Essig in den Wassertank eines Dual-Boiler-Siebträgers kippen, die Maschine aufheizen und stundenlang einwirken lassen – „damit sie innen wieder sauber ist". Das Ergebnis: Die O-Ring-Dichtungen werden durch die Säure spröde, manche Innenteile werden angegriffen, und der säuerliche Beigeschmack hält sich oft wochenlang.
In der Specialty-Szene werden Säuren in Siebträgern bewusst gemieden.
Der wichtigste Hebel: das Wasser
Wie gehen Profi-Techniker mit aufwändigen Maschinen um? Entkalkt wird so selten wie möglich. Der Grundsatz lautet: Kalk gar nicht erst in die Maschine gelangen lassen.
- Verwende weiches Wasser – entweder nach einem Third-Wave-Water-Rezept (destilliertes Wasser plus Mineralsalze) oder über einen BWT-Tischfilter.
- Wer hartes Leitungswasser über längere Zeit im 1,5-Liter-Boiler eines Heat-Exchangers verwendet hat, sollte vorsichtig sein: Flüssig-Entkalker kann größere Kalkplacken lösen, die dann die engen Leitungen blockieren und zu einem Pumpenausfall führen.
Eine tiefe Entkalkung läuft im Zweifel über eine Zerlegung durch den Fachbetrieb. Besser: von Anfang an am Wasser ansetzen.
Backflushing im Alltag
Was du als Heimbarista regelmäßig machen solltest: das 3-Wege-Ventil und das Duschsieb der Brühgruppe reinigen. Ein sinnvoller Rhythmus ist einmal pro Woche.
1. Einen halben Teelöffel Backflush-Pulver ins Blindsieb geben (z. B. Cafiza (Urnex) oder Puly Caff).
2. Siebträger einspannen und die Brühtaste starten. Das Wasser läuft mit 9 Bar gegen den geschlossenen Siebboden.
3. Nach etwa zehn Sekunden stoppen. Über das 3-Wege-Ventil entweicht das Wasser nach hinten und spült dabei Kaffeefett und Rückstände aus den Leitungen ins Tropfschale. Vorgang drei- bis viermal wiederholen, dann mehrfach mit klarem Wasser nachspülen.
Ohne regelmäßiges Backflushing (und gelegentliches Abbürsten der Dusche und der Dichtung) setzen sich Kaffeeöle in den Leitungen ab. Sie werden mit der Zeit ranzig und sind dann im Kaffee schmeckbar.
