Lange Zeit galt in der Szene die Empfehlung: „Wer keine 500 Euro für eine Niche Zero oder eine Eureka übrig hat, sollte lieber zur Handmühle greifen."
Das hat sich geändert. Nicht zuletzt auf Druck kritischer YouTube-Reviews (etwa von Lance Hedrick) sind im Bereich 200–300 € einige ernst zu nehmende Espressomühlen mit geringer Retention und feinstufiger Mahlgradverstellung entstanden. Ein Überblick über die drei meistdiskutierten Modelle:
1. Turin DF54
Die DF54 ist die kleinere Schwester der DF64 des chinesischen Herstellers Turin und hat 2024 viel Aufmerksamkeit bekommen.
- Preis: meist knapp unter 300 €.
- Technik: 54-mm-Flatburrs aus Stahl, die bei hellen Röstungen eine präsente Clarity (Aromenschärfe) liefern. Ein interner Ionisator neutralisiert die statische Aufladung der Partikel – der Auswurf bleibt sauber und Retention ist sehr gering.
- Einordnung: Derzeit eine der stärksten Empfehlungen unter 300 €. Single-Dosing-Design mit Bellows (Blasebalg zum Nachpumpen), vergleichsweise leise.
2. Baratza Encore ESP
Wichtig: nicht die klassische „Encore", sondern explizit die „Encore ESP" – sie bringt die Mikroverstellung und die Spacer mit, die für Espresso benötigt werden.
- Mahlwerk: 40-mm-Kegelmahlwerk (Conical Burrs) aus europäischer Fertigung.
- Stärken: Baratza ist bekannt für langfristige Ersatzteilverfügbarkeit – Verschleißteile lassen sich über die Hersteller-Website einzeln nachbestellen. Die Mühle ist nicht besonders leise, liefert aber ein dichtes, körperreiches Mahlprofil mit wenig Feinanteil, das besonders zu dunkleren, schokoladigen Röstungen passt.
3. Fellow Opus
Die Fellow Opus besticht zunächst durch ihr Design – schwarzer Zylinder, magnetischer Auffangbecher, unter 300 €.
- Schwachstelle: Die Mahlgradverstellung. Das äußere Rad stellt nur grob in Makroschritten. Für Mikrojustierungen – etwa bei einem leicht sauren, zu schnell laufenden Espresso – muss eine zusätzliche innere Scheibe gedreht werden, nach einer etwas unintuitiven Logik („außen eins vor, innen zwei zurück"). Es existieren Community-Apps, die die resultierenden Schrittweiten berechnen.
- Einordnung: Für Filter und seltenen Bohnenwechsel geeignet, für ständigen Wechsel zwischen Espresso-Bohnen weniger komfortabel als die beiden anderen Modelle.
Die Eureka-Reihe liegt meist knapp über 300 € und wird in italienischen Foren viel empfohlen. Für Single-Dosing mit häufigem Bohnenwechsel ist sie aus unserer Sicht dennoch nicht die erste Wahl: Das Stellrad ist sehr klein, und bereits kleinste Drehungen verändern die Durchlaufzeit spürbar (von 18 auf 28 Sekunden). Zudem verbleibt im Auswurfkanal vergleichsweise viel Retention – für wechselnde Bohnen also eher ungünstig.
