Du kaufst zwei verschiedene, teure Kaffees. Den einen brühst du heute, den anderen morgen. Beide schmecken okay, aber welcher war wirklich besser? Die ehrliche Antwort ist: Du weißt es nicht.
Vielleicht hast du beim zweiten Kaffee minimal anders gegossen, die Wassertemperatur war kühler, oder deine Mühle hatte noch Reste der alten Bohne im Totraum.
Um Kaffees objektiv zu bewerten, gibt es weltweit nur einen Standard, den jeder Röster, Kaffeebauer und Influencer nutzt: Das Cupping.
Warum Cupping so mächtig ist
Beim Cupping gießt du heißes Wasser auf gemahlenen Kaffee in einer Tasse und saugst ihn mit einem Löffel ab. Das war’s. Kein Filterpapier, keine Ratios, kein Tampen, kein Gießprotokoll.
- Eliminierung von Variablen: Da du nicht filterst, entfernst du alle Parameter, die du als Mensch falsch machen kannst. Jede Tasse extrahiert unter exakt denselben thermischen Bedingungen.
- Direkter Vergleich: Du kannst 5 Kaffees nebeneinander stellen und innerhalb von Sekunden hin- und herschmecken.
- Wahre Löslichkeit: Einige Kaffees lösen sich schlechter als andere. Im Cupping merkst du sofort, ob eine Bohne aufgrund ihrer Anbauhöhe spröder ist als die andere.
Das offizielle Cupping-Protokoll (für zu Hause)
Du brauchst keine speziellen Cupping-Bowls oder silbernen Cupping-Löffel. Nimm einfach 3 bis 4 identische Wassergläser oder flache Tassen und einen breiten Suppenlöffel.
So wird geschlürft (Die Hoffmann-Technik)
Viele Anfänger nippen schüchtern am Löffel. Fehler! Kaffeeprofis wie James Hoffmann sind beim Cupping unfassbar laut.
- Abwarten: Der Mensch schmeckt fast nichts, was kochend heiß ist. Warte bis Minute 12 oder 15, bis der Kaffee trinkwarm ist.
- Agressives Schlürfen (Slurping): Nimm etwas Kaffee auf den Löffel, halte ihn an die Lippen und sauge den Kaffee so aggressiv und laut du kannst, zusammen mit viel Sauerstoff, durch die Zähne in deinen Mund. (Es soll klingen wie ein starker Staubsauger).
- Der Sinn dahinter: Durch das laute Schlürfen wird der Kaffee buchstäblich über deinen gesamten Gaumen “zerstäubt” (Atomisierung). Jeder Rezeptor auf der Zunge und hinten im Rachen (wo die komplexen Retro-Nasalen Aromen wahrgenommen werden) wird sofort benetzt.
Bewerte zuerst die Frucht und Säure (Hell? Dunkel? Spritzig?), dann die Süße (Trocken? Schokoladig?) und am Ende den Körper (Wässrig? Sirupartig?).
Häufige Fragen
Brauche ich Profi-Cupping-Löffel? Ein handelsüblicher, eher breiter und runder Suppenlöffel reicht völlig aus. Die Profi-Löffel aus Silber oder Edelstahl sind nur minimal tiefer, um bei zahllosen Tassen immer die gleiche Menge Kaffeewasser (ohne Mehl) abschöpfen zu können.
Muss ich das alles ausspucken? Auf Branchen-Events, wo 40 Tassen probiert werden: Zwingend ja, sonst droht ein massiver Koffein-Schock. Wenn du zu Hause nur 2 oder 3 Gläser vergleichst, kannst du den Löffel problemlos schlucken.
Funktioniert Cupping auch mit Espressoröstungen? Absolut! Auch wenn eine Espressoröstung im Filterprotokoll des Cuppings nicht das bringt, was sie unter 9 Bar Druck leisten würde, lassen sich Fehler (wie übermäßige Bitterkeit, verbrannte Noten oder flache Röstung) beim Cuppen hervorragend diagnostizieren, bevor sie überhaupt in die teure Maschine kommen.
